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Montag
Sep172012

Eine idealistische Realistin

Letzte Woche besuchte ich einen dreitägigen Kurs über ethische und rechtliche Aspekte bei klinischen Studien. Und wie das bei ethischen Aspekten zu sein pflegt, ergeben sich immer mehr Fragen, je mehr man sich damit befasst. Der ganze Kurs war sehr interessant, doch waren da zwei Ereignisse, die mich zum Nachdenken brachten.

Eineder Vortragenden sprach über Verantwortung. Dass wir Verantwortung nicht abschieben (oder den schwarzen Peter weitergeben), sondern sie uns zu Eigen machen sollten. Sie nahm die Pharma-Industrie als Beispiel: Wenn diese in ein Land geht, um dort klinische Studien durchzuführen, dann sollte sie sich mit diesem Land befassen und sich nicht engstirnig nur auf die klinische Studie konzentrieren und auf die Menschen, die direkt damit zu tun haben. Was sie von uns Studenten verlangte, war – so dachte ich – recht idealistisch: Wir sollten uns unserer Umgebung bewusst sein, der Auswirkungen bewusst sein, die wir haben, sowie der Folgen unserer Tätigkeiten, dass Veränderungen bei jedem von uns anfangen, dass wir für das eintreten sollten, woran wir glauben, auch wenn wir damit vielleicht unseren Job verlieren, dass wir unseren Prinzipien treu bleiben sollten. Ich stellte ihren Idealismus in Frage, und das kam mir seltsam vor, denn ich habe mich selbst immer irgendwie als Idealistin betrachtet. CDC nahm seinen Anfang, weil meine Schwestern und ich daran glaubten, dass wir denen, die weniger Glück haben als wir, etwas zurückgeben könnten. Wir glaubten daran, etwas bewirken zu können. Die Realität ist, dass die Menschen sich immer mehr auf sich selbst konzentrieren und weniger auf die Bedürfnisse anderer (daher die Schwierigkeit, Spender und Spenden zu finden). Die Realität ist, dass es meinem Vater verboten ist, hierher zu kommen und bei uns zu leben – sollten die Juristen und Einwanderungsbeamten sich hinter Gesetzesauslegungen verstecken und somit einem 70 Jahre alten Mann verbieten, den Rest seines Lebens bei seiner jüngsten Tochter und deren Familie zu verbringen? Die Realität ist, dass mehr Hindernisse aufkommen, wenn man versucht, etwas Gutes zu tun. Man hat Diane mitgeteilt, dass wir bei Veranstaltungen keine Muffins und Kuchen verkaufen dürfen. Obwohl man mir gesagt hatte, dass wir keine Genehmigung brauchen, brauchen wir offenbar doch irgendetwas. Als Erwachsene dürfen wir nicht verkaufen, nur Schulkinder dürfen das. Überrascht es bei alledem, dass ich meinen Idealismus verliere und andere in Frage stelle, die auch idealistisch sind?

Die zweite Sache, die mich beeindruckt hat, geschah außerhalb der Vorträge. Eine meiner Mitstudentinnen ist schwanger und hat im November Entbindungstermin. Ich bot an, Ihr die Babykleidung zu geben, aus der Layla (meine 5 Monate alte Tochter) herausgewachsen ist. Für mich war dieses Angebot keine große Sache, aber die Empfängerin war völlig überwältigt. Und das gab mir wieder zu denken: Sind kleine Gefälligkeiten so selten, dass die Menschen davon so überrascht sind? Was für ein trauriges Zeugnis für die Welt von heute.

Die Eröffnung des Thomas House zieht sich zwar noch hin, doch haben wir noch andere Projekte, auf die wir hinarbeiten: das akademische Austauschprogramm (Projekt 2) und die Ferienlager (Projekt 3).

Heute las ich einen Zeitungsartikel über eine Mutter, die nach jahrelangen Bemühungen, schwanger zu werden, vor 6 Jahren endlich ein Baby bekam. Dieses Kind ist letztes Wochenende von einem betrunkenen Autofahrer überfahren worden. Was für ein unnötiger Tod! Dieser Artikel zeigte ganz deutlich die Notwendigkeit von sicheren Bereichen, in denen Kinder spielen können. Dies ist das Ziel unseres Projektes Nr. 3.

Die Trinitarians, der lokale Fußballclub, den CDC Basel kontaktiert hat, arbeitet hart daran, die Kinder in unserem Interessensgebiet (Uitsig) von den Umtrieben krimineller Bandenfernzuhalten. Der Club legt größten Wert auf Disziplin und Familienwerte. Ein bemerkenswertes Beispiel ist das U17-Team, das es dank harter Arbeit und Engagement geschafft hat, die meisten Pokale der Region zu gewinnen. Dieses Team besteht aus Kindern aus jenen unterprivilegierten Gebieten, die mit Hilfe des Clubs ihre Energie auf sportliche Aktivitäten konzentriert haben anstatt auf dumme Gedanken zu kommen. Ein solches Engagement sollte belohnt werden, und ich hoffte, dass wir mit eurer Hilfe das Team nach Basel bringen könnten, damit es an einem lokalen Turnier teilnehmen, eine neue Kultur kennenlernen und erleben kann, dass harte Arbeit und Disziplin sich auszahlen. Dafür bräuchten wir Sponsoren und Ansprechpartner in der lokalen Fußball-Liga. Also wenn ihr jemanden kennt, leitet bitte deren Daten an mich weiter!

Ich stelle mir ein Benefiz-Abendessen oder -Konzert vor, oder etwas in dieser Richtung, damit für diese Projekte Spenden gesammelt werden können. Wenn ihr also auf irgendeine Weise helfen könnt oder jemanden kennt, der helfen kann, dann bitte kontaktiert mich oder gebt meine Kontaktdaten weiter. Ich werde sehr gerne eine Präsentation über unsere Projekte halten, wenn ich dadurch die Finanzierung möglich machen kann.

Ich danke euch sehr für eure Unterstützung!

Diese deutsche Übersetzung wurde von der Freiwilligen Sheila Khalaf Decker von der PerMondo Initiative ausgeführt. PerMondo übersetzt ehrenamtlich für gemeinnützige Vereine und NGOs. Das Projekt wird von Mondo Agit geleitet.

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